Kofomi2016

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Kraut und Gras – 20 Jahre Kofomi

14. – 17. September 2016 Mittersill

 

Was aber da für ein Triumphieren im Geiste gewesen, kann ich nicht schreiben oder reden; es läßt sich auch mit nichts vergleichen, als nur mit dem, wo mitten im Tode das Leben geboren wird, und vergleicht sich mit der Auferstehung der Toten.
In diesem Lichte hat mein Geist alsbald durch alles gesehen und an allen Kreaturen, selbst an Kraut und Grass, Gott erkannt, wer er sei und wie er sei, und was sein Wille ist.

Jacob Böhme (1575-1624)

 

Der Satz des Mystikers Jacob Böhme, den Anton von Webern für sein 1905 entstandenes, einsätziges Streichquartett als Motto verwendet hat, ist ein Hinweis darauf, was den jungen Webern beschäftigt hat. Webern fand dieses Gedicht in dem zu dieser Zeit viel gelesenen Buch Offenbarungen des Wacholderbaums von Bruno Wille (1901).

Die beglückende Naturerfahrung, die für Webern Zeit seines Lebens wichtige Inspirationsquelle war und die um die vorletzte Jahrhundertwende gerne dem negativ konnotierten modernen Leben gegenübergestellt wurde, ist heute einer wesentlich komplexeren und weniger romantischen Auffassung von Natur und Kunst gewichen.

 

Wachsen dort, wo fast nichts mehr wächst

Kraut und Gras als Titel für ein Unternehmen, der Kunstausübung Fläche, Raum und Räume zu geben, bezieht sich einerseits auf Anton Webern, der in Mittersill seine letzte Ruhestätte gefunden hat, andererseits aber auf das Thema des Wachsens als Metapher für künstlerische Produktion jeglicher Art und jeglichen Genres jenseits der großstädtischen Paradigmen. Die Neusaat als Erschließung dieses visionären Raumes, den die Kunst und damit die Gesellschaft immer dringend braucht. In Abgrenzung zur Mainstream- und Großstadtkultur ist diese Neusaat ein wesentlicher Beitrag zur Befruchtung und zur Weiterentwicklung regionaler Kultur und Struktur insbesondere im Oberpinzgau. Neu gesät werden soll im Rahmen dieser Veranstaltung das Webern.Werk.Mittersill, das an 20 Jahre Kofomi innovativ und den aktuellen Anforderungen und Bedürfnissen angepasst anschließt und die Grundidee, ein lebendiges Denkmal für Anton Webern sein zu wollen, weiterführt.

 

Karl Baumann Tanz (A/USA)

Kathrin Grenzdörffer Musik (D)

Nenad Bogdanovic Performance (SER)

Veronika Mayer Musik (A)

Minguet Quartett (D) Ulrich Isfort, Annette Reisinger, Aroa Sorin, Matthias Diener

Christine Schörkhuber Musik (A)

Andi Stecher Musik (A/D)

 

Das Programm:

 

Mi 14. 9. 19 Uhr St. Annakirche Minguet Quartett Werke von

Gabriel Iranyi, Stefan Lienenkämper, Peter Ruzicka, Anton Webern

feat Veronika Mayer und Christine Schörkhuber electronics

 

Do 15. 9. 19 Uhr BORG Mittersill Splitter Performances

Nenad Bogdanovic The Bridges V, Karl Baumann EGO-Box feat Flora Miranda outfit (A/BE), Kathrin Grenzdörffer u. a.

 

Fr 16. 9. 16 Uhr BORG Workshoppräsentation Geräuschwesen mit Veronika Mayer und Christine Schörkhuber

Fr 16. 9

Sa 17. 9. . 17 Uhr BORG Mittersill Gesprächsrunde mit Volker Kalcher, Roswitha Klaushofer, Peter Seiwald, Christian Vötter, Hannes Wartbichler und den TeilnehmerInnen

19 Uhr BORG MIttersill KRAUT UND GRAS, Konzert, Performance, Party, Buffet

mit Karl Baumann, Kathrin Grenzdörffer, Nenad Bogdanovic, Andi Stecher u. a.

 

 

Impressum Information Kontakt  ARGE Komponistenforum Mittersill | 1090 Wien, Liechtensteinstraße 20/32

+43 (0)664 5969091 | info@kofomi.com | www.kofomi.com

gefördert von Land Salzburg, Bundeskanzleramt Österreich, Stadtgemeinde Mittersill

 

 

 

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1945 | 2015

zum 70. Todestag des österreichischen Komponisten

Anton Webern

(*1883 Wien – +1945 Mittersill)

 

 

Der Komponist Anton Webern zählt heute nach wie vor zu den Schlüsselfiguren der Musik des 20. Jahrhunderts. Seine Werke haben seit seinem tragischem Tod in Mittersill nichts an Aktualität und Relevanz verloren.

 

Um den 15. September bzw. am 15. September 2015 (dem Sterbetag Weberns) planen wir weitere Aktivitäten zum aktiven Gedenken an einen der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, wie es bereits

17 Jahre lang im Rahmen des KomponistInnenforum Mittersill (1996 bis 2013, www.kofomi.com) versucht wurde.

 

Diese Aktivitäten gliedern sich in 3 Teile:

 

1) Choraktion am Grab Weberns am Nachmittag des 15. September 2015

 

2) Workshop mit SchülerInnen des BORG Mittersill von 14. bis 16. September 2015

 

3) Interdisziplinäres Symposium zum Thema Anton Webern von 11. bis 12. September 2015

 

4) Konzert des Koehne-Quartetts (Wien) in der St. Anna-Kirche am 15. September 2015

 

 

Detailkonzept/Programm

 

CHOR Webern, Eisler, Nishikaze, Gahl

 

1) Ein speziell für dieses Projekt zusammengestellter „KomponistInnenchor“ wird am Grab Anton Weberns singen.

Das Programm setzt sich wie folgt zusammen:

 

Anton Webern, Entflieht auf leichten Kähnen für gemischten Chor a capella op. 2

 

musik_ein morgen : Erinnern an Anton Weberns Konzerte mit dem Arbeitersingverein

(Eine Montage von Annelie Gahl unter Verwendung von Josef Zapf (1847-1902), Lied der Arbeit

Josef Scheu (1841-1904), Sonntagslied und Hanns Eisler, Das Lied von der Solidarität

 

Makiko Nishikaze, vi-ta, Auftragswerk für gemischten Chor a capella (Uraufführung)

 

Der Chor soll sich aus TeilnehmerInnen an vergangenen KomponistInnenforen (Kofomi 1-17) und weiteren in Wien lebenden Musikschaffenden zusammensetzen (Einstudierung und Leitung Veronika Humpel)

 

Die Programmierung der Werke von Hanns Eisler, Josef Scheu und Josef Zapf ist eine Referenz an das Engagement Weberns in den Wiener Arbeiterchören (Arbeitersangesbewegung/Arbeiter Sinfoniekonzerte) mit denen er u. a. auch Werke von Eisler, Zapf und Scheu einstudiert hat und womit eine entsprechende politische Haltung verbunden war. (vgl. dazu Arnold Schönberg, der ebenfalls Arbeiterchöre leitete: „[...] Auch in unserem Leben spielt die Erkenntnis des socialen Kampfes die entscheidende Rolle. [...] genau so wie die Bewegung der socialen Verhältnisse das Product des Kampfes der Klassen ist, muß sich die Ästhetik darstellen als Product des Kampfes der idealistischen mit der materialistischen Weltanschauung [...].“)

Der Realismus Bert Brechts kontrastiert den Symbolismus eines Stefan George (Entflieht auf leichten Kähnen), worin sich der in dieser Zeit ausgetragene Konflikt zwischen Materialismus und Idealismus spiegelt. (Vgl. dazu Hartmut Krones [Hg.], Anton Webern: Persönlichkeit zwischen Kunst und Politik. Wien 1999)

15. 9. 2015 16:00 Uhr BORG Mittersill/Friedhof Mittersill

Entflieht auf leichten Kähnen

Der KoFoMi-Projektchor (TeilnehmerInnen an den KomponistInnenforen Mittersill und Gäste) mit Katja Cruz,

Cordula Bösze, Andreas Deppe, Jury Everhartz, Annelie Gahl, Heidelinde Gratzl, Maria Gstättner, Harald Huber,

Katharina Klement, Michael Mautner, Veronika Mayer, Hannes Raffaseder, Konrad Rennert, Bernhard Schöberl, Burkhard Stangl, Irene Suchy, Monika Voithofer und Wolfram Wagner. Einstudierung und Leitung Veronika Humpel

 

WORKSHOP Die Toten schweigen

 

2) Die japanische, in Berlin lebende Komponistin Makiko Nishikaze wird mit SchülerInnen des BORG Mittersill in einem mehrtägigen Workshop zu einem japanisches Sprichwort als Leitmotiv arbeiten:

"shi-nin ni kuchi nashi" bedeutet so viel wie „Die Toten haben keinen Mund - die Toten schweigen“ bzw. auch „ein stummer Mund ist kein Zeuge“

Dabei wird es der Komponistin um die Vermittlung der musikalischen Parameter Stille, Klang, und das zwischen Stille und Klang dazwischen Liegende gehen und dieses auch in Bezug zum Leben und Schaffen von Anton Webern setzen. Das Thema umkreist schließlich auch die tragischen Umstände des Todes von Anton Webern, der möglicherweise wegen seiner vermeintlichen Zeugenschaft bei einem Schwarzmarkthandel sterben musste. (Vgl. Gert Jonke, Geblendeter Augenblick. Anton Weberns Tod)

Die Präsentation der Ergebnisse des Workshops am 15. September 2015 im BORG und/oder am Friedhof hinter der St. Leonhard-Kirche in Mittersill

 

SYMPOSIUM Musik und Politik

 

3) Das vom Mittersiller Musikwissenschaftler Christoph Fuchs initiierte Symposium zum 70. Todestag Weberns wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Innsbruck (Prof. Federico Celestini) aktuelle Fragen zum Leben und Werk Weberns in den Mittelpunkt stellen. Vor allem soll es um den politischen Kontext gehen, in dem das Schaffen und Wirken Weberns jeweils Bedeutung erhält sowie Beziehungen zur Gegenwart hergestellt werden. Das interdisziplinär ausgerichtete Symposium versucht, die Standpunkte von Wissenschaftlern und Webern-Experten mit denen von Musikschaffenden zu konfrontieren und aus diesem so entstehenden Dialog neue Perspektiven vor allem für das gegenwärtige künstlerische Schaffen und Agieren zu entwickeln.

11. und 12. 9. 2015 Schachernhof Mittersill

Anton Webern im politischen Kontext

Internationales Symposion mit Julia Bungardt (Wien), Regina Busch (Wien), Pietro Cavallotti (Berlin), Federico Celestini (Innsbruck), Christoph Fuchs (Mittersill), Nils Grosch (Salzburg), Tobias Janz (Kiel), Bernhard Lang (Graz),  Dominik Schweiger (Wien), Manuel Strauss (Wien), Nikolaus Urbanek (Wien), Monika Voithofer (Graz)

 

PROGRAMM:

 

11. 9.

09:00 – 09:30: Eröffnung: Monika Voithofer (Komponistenforum Mittersill) und Federico Celestini (Innsbruck)

09:30 – 10:30:  Nikolaus Urbanek (Wien), Webern, der (Un-)Politische? Eine Zwischenfrage zur musikwissenschaftlichen Kompetenz“

10:30 – 11:00: Kaffeepause

11:00 – 12:00: Julia Bungardt (Wien), Anton Webern und die Universal Edition

12:00 – 13:00:  Dominik Schweiger (Wien), Anton Webern und David Josef Bach

13:00 – 15:00: Mittagspause

15:00 – 16:00: Tobias Janz (Kiel), Musik und Politik: Mehrfachcodierung, Resonanz oder Ideologie?

16:00 – 16:30: Kaffeepause

16:30 – 17:30: 5. Nils Grosch (Salzburg), Fré Focke, Anton Webern und die Neue Musik im lateinamerikanischen Exil

 

12. 9.

09:30 – 10:30: Bernhard Lang (Graz/Wien), Webern Wiederholen: Monadologie XI und die Sinfonie op. 21 im Kontext der Playbackkultur

10:30 – 11:30: Pietro Cavallotti (Berlin), Das Ringen um den wahren Webern. Machtpolitische Aspekte der Webern-Rezeption

11:30 – 12:00: Kaffeepause

12:00 – 13:00: Schlussdiskussion

 

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DACH in Mittersill

 

Am 15. September 2015 werden die Vorstände der deutschsprachigen Musikräte (Deutschlands, Österreichs und der Schweiz) anlässlich des

70. Todestages von Anton Webern ihre Sitzung in Mittersill abhalten (10 bis 15 Uhr) und den Veranstaltungen am 15. September beiwohnen.

 

KONZERT Annakirche

 

15. 9. 2015 19:30 Uhr St. Anna-Kirche Mittersill

Konzert mit dem Koehne Quartett (Wien)

Joanna Lewis, Anne Harvey-Nagl, Lena Fankhauser und Melissa Coleman feat. Gina Mattiello, Rezitation, Wolfgang Seierl, Elektronik und

EF Ablinger, Video

Wolfgang Seierl Jonkipel für Sprecherin, Streichquartett und Elektronik nach Texten von Gert Jonke und Julian Schutting  (2014/15)

Anton Webern Fünf Sätze op. 5 für Streichquartett (1909)

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Gefördert von: Land Salzburg, Bundeskanzleramt Österreich, Stadtgemeinde Mittersill. Kooperationspartner: Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Österreichischer Musikrat

 

Das Kofomi-Team

Monika Voithofer

Christoph Fuchs

Hannes Raffaseder

Wolfgang Seierl


01. 08. 2015




"Zuhörer, die frei entscheiden könnten, ob sie auf die Musik hinhören, weghören oder in sich selbst hineinhören.
Zuhörer, Zuschauer, die verschiedene Hörperspektiven und Sehperspektiven erfahren könnten.Ein scheinbar ungeordnetes Nebeneinander, wo sich der Blick, der Hör-Focus immer wieder neu einstellen könnte.
Klang- und Textstücke, in denen der Zuschauer sozusagen herumschauen, herumhören, herumlesen kann.
Musikhören und Momente der Stille, die unterschiedliche Ebenen der Wahrnehmung ermöglichen können." (Gina Mattiello)

KoFoMi ladet herzlich ein:
am Samstag, 27. April 2013 um 18.00 Uhr im BORG-Mittersill

„STILLE“ hält inne... ein Kofomi#17-Review nach einem Konzept von Gina Mattiello

Mitwirkende: Katja Cruz Stimme, Howard Curtis Percussion, Michaela Schwentner Video, Barbara Lüneburg Violine, Petra Stump Klarinette, Heinz-Peter Linshalm Klarinette, Gina Mattiello Stimme/Performance, Ritsche Koch Trompete, Thomas Bratzke Malerei, Anna Schauberger, Martin Unterlechner, Christoph Kummerer, Stefan Aigner, Nora Sells und Paul Jauker

Präsentation der Publikation "Kofomi#17-Review" (Kofomi 1996 bis 2013)

Präsentation der CD "Kofomi#17-Review"
mit Unveröffentlichtem, u. a. Werken von Inge Dick, Florian Tiefenbacher und Anton Webern

Präsentation des Vinyl-Albums "unused connects"
mit Remixes von Anna Schauberger, Martin Unterlechner, Christoph Kummerer, Stefan Aigner und Nora Sells

Anschließend Buffet vom Schachernhof

Kofomi#17 wird gefördert von Land Salzburg, dem BMUKK, dem Büro für kulturelle Sonderprojekte, der Stadt Mittersill und dem BORG Mittersill,
Dank auch an Claudia Bosse/Theatercombinat





Im Rahmen von Kofomi#17:
Erstpräsentation der neuen Initiative und Plattform HertzLux am Sonntag, 20. Jänner 2013 um 15.00 Uhr im mica, Stiftgasse 29, 1070 Wien

SCORE_VIDEO_RMX nannte sich ein im Rahmen des 16. KomponistInnenforum Mittersill im September 2011 von den beiden curators in residence Daniela Tagger und Florian Gruber realisiertes Projekt, einer Art Tauschbörse für Musik und Video. Daraus entwickelte sich die Plattform HertzLux (Daniela Tagger, Eva Perner und Florian Gruber).

HertzLux ist ein gemeinnütziges Projekt zur Förderung audiovisueller Medienkooperationen. Dies geschieht einerseits durch die Schaffung einer Onlineplattform (hertzlux.net) für interdisziplinären Ideen- und Gedankenaustausch, sowie durch regelmäßige Veranstaltungen für Vereinsmitglieder und Kunstinteressierte. Dabei geht es uns um die wahrnehmungskonstruierenden Einflüsse von AV-Medien und Arbeitsprozessen in den unterschiedlichen Disziplinen.

Am kommenden Sonntag werden nicht nur die ersten audiovisuellen Kooperationen vorgestellt (Daniela Zeilinger / Uli Kühn, Zdenek Kveton / Anne Wellmer, Daniela Tagger / Martin Daske, Tatja Skhirtladze / Konrad Rennert, Zdenek Kveton / Martin Daske). Live-Performances (Ritsche Koch aus Berlin und Chris Neuschmid) sowie eine Podiumsdiskussion (Gerda Lampalzer, Wolfgang Seierl, Heinrich Deisl, Ritsche Koch, Daniela Zeilinger, Uli Kühn) ergänzen die Präsentationen, + Buffet, Eintritt frei!
Technologische Neuerungen beeinflussen seit je her die Videokunst.

HertzLux: "Die technischen Möglichkeiten wirken auf die zeitgenössische Kunst ein, so wurden durch die Digitalisierung in Verbindung mit dem Computer die Herstellungsmittel billiger und das Material einfacher zu editieren und manipulieren. Durch die Demokratisierung der Produktionsmittel und die rasche Zunahme der Verbreitungsmöglichkeiten verändert sich das Konsum- und Wahrnehmungsverhalten.
HertzLux will nicht nur eine Plattform schaffen um die wahrnehmungskonstruierenden Einflüsse von AV-Medien zu untersuchen und zu diskutieren, sondern versteht sich im Besonderen als ein aktives Vernetzungstool für Audio-und Video KünstlerInnen.
Um Platz für die Entstehung von Zusammenarbeiten zu bieten wird ein spezieller virtueller Raum abseits kommerzieller Unterhaltungsanbietern generiert. Der direkte Austausch der KünstlerInnen fördert die Auflösung vorherrschenden hierarchischen Strukturen im Bereich der audiovisuellen Medienkunst.
Entstandene Arbeiten können auf HertzLux.net, sowie auch in der realen Raumzeit bei regelmäßigen Veranstaltungen präsentiert werden.
Am Sonntag dem 20.Jänner 2013 um 15 Uhr im MICA Wien werden die ersten Kooperationsarbeiten des Vorgängerprojekts “score_video_rmx” präsentiert. Im Rahmen des 16.Komponistenforum Mittersill entstanden diese Arbeiten durch die Initiative von Daniela Tagger und Florian Gruber und gelten als Basis für HertzLux.net. Die Podiumsdiskussion bietet Kultur- und Kunstinteressierten Raum zum Dialog, Diskussion und Information."





Kofomi#17

STILLE

Musik ist ein Ereignis, das die ursprüngliche Stille unterbricht und schließlich wieder in Stille endet. Sie vermindert diese nicht, sondern gibt ihr vielmehr eine Form. Tibeter und Hindus betrachteten die Geburt des Klanges als ein religiöses Geheimnis, in das die Seele nicht unwürdig eintreten dürfe. Die Geburt des Klanges existiere nur für diejenigen, die, sich der ursprünglichen Stille bewusst, die verborgenen Quellen der Innerlichkeit in sich wachsen fühlen. Musik ist die Tochter der Stille, ....es liegt in der Abwesenheit von sich selbst, in der Musik ihre Erfüllung erreicht. Deshalb müssen Klänge verklingen und sterben, um der musikalischen Arbeit zum Leben zu verhelfen. (Gisele Brelet)

Der Begriff der Stille umfasst weit mehr als der musikalische Parameter der Pause und ist vielmehr mit dem der Musik Grund legend verbunden. Die Musik des 20. Jahrhunderts stand unter anderem im Zeichen der Emanzipation des Geräusches und der Stille. Allen voran war es John Cage, der die Stille als ein noch zu erforschendes Gebiet erkannte:

Ich hörte, dass Schweigen, dass Stille nicht die Abwesenheit von Geräuschen war, sondern das absichtslose Funktionieren meines Nervensystems und meines Blutkreislaufes. Ich entdeckte, dass die Stille nicht akustisch ist. Es ist eine Bewusstseinsveränderung, eine Wandlung. Dem habe ich meine Musik gewidmet. Meine Arbeit wurde zu einer Erkundung des Absichtslosen. (John Cage, um 1950).
Die Stille als Moment des sich Sammelns, der Einkehr und der Meditation ist zudem ein wesentlicher Kontrapunkt zur aktuellen schnelllebigen und lauten Zeit. Nach sechzehn KomponistInnenforen soll dieses Thema nun grundsätzlich für Innehalten und Neuorientierung stehen. Aus der Stille heraus entsteht Musik, - aus dieser Stille entsteht das Bewusstsein für aktuelle Bedürfnisse, entstehen Nachdenk- wie kreative Prozesse. Im Sinne der Erfahrung von John Cage, die Stille als Wandlung zu begreifen, wollen wir dieses Forum dazu nutzen, über das Hintergrundthema Stille die im aktuellen Informationszeitalter scheinbar redundant gewordene Ausgangsidee des Kofomi, die Kommunikation zwischen KomponistInnen, MusikerInnen und dem Publikum, in das umzuwandeln bzw. hinüberzuführen, das die heutige Situation wieder befruchten könnte, - in etwas, dqs heute – in Zeiten des zu Ende gehenden Überflusses - grundlegend fehlt.

Insgesamt könnte die Stille ein durch die neuen Technologien und Lebensstrukturen herausgefordertes Konzept sein, das nicht nur die geistige Dimension des Menschen zu verteidigen bzw. zu retten versucht (Gunter Stachel/schweigt ihr nicht, so bleibt ihr nicht), sondern – entsprechend zeitgenössischen

Strömungen in der Philosophie und Kunst – neue, dynamische Strukturen einer neuen Innerlichkeit zeitigen bzw. entwerfen.

Die Annahme, dass die Gegenwart aus der Zukunft gespeist werde, legt nahe, dass das Vergangene mit Gegenwart und Zukunft in einem dynamischen, wechselwirkenden Verhältnis steht. Ein zusammenfassender, aufarbeitender Blick auf die Vergangenheit des KoFoMi, auf 16 Jahre

KomponistInnenforum Mittersill, wäre in diesem Sinn sozusagen die Vorbereitung und Imagination des noch nicht Gewesenen, die Offenheit für das, was vor uns liegen könnte, sobald wir es zuzulassen im Stande sind.

Das Sammeln und Sichten aller in den vergangenen 4 x 4 Jahren im Kofomi aktiven Personen, aller im Rahmen des Kofomi entstandenen Werke, aller SymposiumsteilnehmerInnen und aller Beteiligten an den Begleitveranstaltungen, Symposien, der Gesprächsreihe Wohin? und der Sendereihe in der Radiofabrik, aller Tonaufnahmen, CD-Produktionen, Fotos und Videos, aller Texte und Dokumente, würde ein Bild davon geben, wie es um diese Zukunft, aus der unsere Gegenwart jeweils geschöpft wurde, bestellt war.

Ich möchte in einer Kultur der Stille leben, in der es vor allem darum ginge, die eigene Stimme zu finden. (Peter Bieri)

Über solche Prozesse, in denen das Beschreiben und Verstehen unserer selbst nicht in einer einflusslosen Bestandsaufnahme besteht, sondern auch eine innere Umgestaltung mit sich bringt, könnte man sagen: Wir arbeiten durch Selbstbeschreibung an unserer persönlichen Identität. Das tun wir auch, wenn wir Unbewusstes in Bewusstes überführen, indem wir es zur Sprache bringen. ... Um nicht nur in die Zukunft hineinzustolpern, sondern die Zukunft als etwas zu erleben, dem wir mit einem selbstbestimmten Entwurf begegnen, brauchen wir ein Bild von dem, was wir sind und was wir werden wollen – ein Bild, das in einem stimmigen Zusammenhang mit der Vergangenheit stehen muss, wie wir sie uns erzählen. (Peter Bieri)

In einem zweiten Teil einer so genannten Dokumentation werden wir dieser Sammlung an Daten eine Sammlung an Visionärem gegenüberstellen. Imaginäre Begegnungen, Versuche eines ersten Zugriffs auf die sich immer wieder erneut konstituierende Fülle des uns bevorstehenden Zeitraums.

Das 17. Kofomi als imaginäre Plattform des kontemplativen Innehaltens in Innenschau, Rückschau und Vision. Die Teilnehmenden als das Potential des Nach- und Vorausdenkens, als GeneratorInnen und Bewegungsmelder in der Phase des Stillseins. Informationen über alle diesbezüglichen Aktivitäten werden wir laufend auf dieser Seite veröffentlichen.

 

In Kürze: in Fortführung unserer Schulprojekte: 11. bis 13. September 2012 Workshop mit Katja Cruz und Howard Curtis im BORG Mittersill

Workshoppräsentation: 13. September,15.00 Uhr, BORG Mittersill


Howard Curtis und Katja Cruz