STRENG GEHEIM! - 14. - 20. September 2018

Vom geheim(nisvoll)en Zugang zur Kunst über Schrift, Code und Verschlüsselung

Pierre Bourdieu sieht den Konsum von Kunst als einen Akt der Dechiffrierung oder Decodierung, der die Beherrschung einer Art Geheimschrift voraussetzt. Die Fähigkeit des Sehens bemisst sich am Wissen, oder wenn man möchte, an den Begriffen, den Wörtern mithin, über die man zur Bezeichnung der sichtbaren Dinge verfügt und die gleichsam Wahrnehmungsprogramme darstellen. Kunst ist also nur für den/diejenige/n von Interesse, der/die die Kompetenz, d. h. den angemessenen Code besitzt bzw. versteht. Diejenigen aber, denen diese Codes fehlen, fühlen sich überfordert, wenn nicht überwältigt, weil sie das offensichtliche Chaos an Tönen und Rhythmen, Farben und Zeilen ohne Vers und Verstand nicht verstehen können.

Die Codes, die die Kunst und Musikschaffenden verwenden, um ihre Arbeit zu vermitteln, haben sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder geändert. Die traditionelle Notenschrift, die inzwischen zum Bildungskanon gehört unterscheidet sich stark von den Codierungen, die heute verwendet werden. Nicht nur andere Notenschriften wurden erfunden bzw. entwickelt, um neuen Kompositionsstilen gerecht zu werden (Schönberg, Hauer), vor allem die Digitalisierung zeitigt neue Sprachen und neue Codierungen. Diese im Vergleich zu zeigen, ist auch für das Publikum spannend.

Streng geheim! thematisiert die (oft doppelte) Verschlüsselung, über die Kunst konsumierbar ist. In der Musik entschlüsseln (lesen) die MusikerInnen/InterpretInnen in einem Gestaltungsakt die Partitur, das Publikum findet nochmals in einem weiteren Gestaltungsakt zur individuellen Wahrnehmung des Dargebotenen. In diesem Zusammenwirken erst entsteht das Werk, das Publikum nimmt eine maßgebliche Position ein.

Einer der Zugänge, diese Position zu beleuchten, ist u. a. im Kontext aller Geldflüsse im Rahmen der Entstehung von Kunst auch das Publikum als aktiven, kreativen Pol zu verstehen. Frei nach der Aussage des Künstlers und Kunsttheoretikers Bazon Brock (Ausstellungsbesucher sollten bezahlt werden) wollen wir im Schlusskonzert die KonzertbesucherInnen für ihre Aktivität symbolisch bezahlen. Ein Experiment, in dem die Qualität des kreativen, achtsamen Zuhörens und Mitgestaltens am Aspekt der (symbolischen) Bezahlung getestet wird. Entweder keiner oder alle, wenn es darum geht, etwas gemeinsam zu erschaffen, das mehr ist, als jeweils die Einzelteile Komposition, Interpretation und Rezeption.

Die TeilnehmerInnen:

Isabel Duthoit Klarinette/Stimme (F)

Alexander J. Eberhard Viola/Komposition (A)

Roswitha Klaushofer Literatur (A)

Peter Kollreider Audio/Regie/Elektronik (A)

Willem Kyvenhoven Schauspiel (NL)

Claudia Larcher Bildende Kunst/Video (A)

Ludwig Lusser Orgel (A)

Cornelia Voglmayr Tanz/Choreografie/Video (A)

Walter Voglmayr Posaune (A)


Das Programm (subject to change):

Freitag, 14. September Anreisetag
20:00 Uhr Pfarrkirche St. Leonhard, Eröffnungskonzert, Orgel plus Tanz

Samstag, 15. September
19:00 Uhr St. Annakirche Für Anton Webern. Mit Beiträgen der ForumsteilnehmerInnen

Sonntag, 16. September
15:00 Uhr Auditorium Schloss Mittersill Symposium Streng geheim! 
Vorstell- und Diskussionsrunde mit den ForumsteilnehmerInnen

Montag, 17. September
14:00 – 16:00 Mittersill klingt Klangperformance mit Willem Kyvenhoven

Dienstag, 18. September
19:00 Uhr Felberturmmuseum/Altes Schulhaus Die Inseln Roswitha Klaushofer/Martin Daske

Mittwoch, 19. September
10:00 Uhr BORG MIttersill Workshoppräsentation
14:00 – 16:00 Mittersill klingt Klangperformance mit Willem Kyvenhoven

Donnerstag, 20. September
19:00 Uhr BORG Mittersill Streng geheim! Schlusskonzert mit Werken der ForumsteilnehmerInnen