Kraut und Gras
14.-17. September, 2016

Was aber da für ein Triumphieren im Geiste gewesen, kann ich nicht schreiben oder reden; es läßt sich auch mit nichts vergleichen, als nur mit dem, wo mitten im Tode das Leben geboren wird, und vergleicht sich mit der Auferstehung der Toten. In diesem Lichte hat mein Geist alsbald durch alles gesehen und an allen Kreaturen, selbst an Kraut und Grass, Gott erkannt, wer er sei und wie er sei, und was sein Wille ist.
- Jacob Böhme (1575-1624)

Der Satz des Mystikers Jacob Böhme, den Anton von Webern für sein 1905 entstandenes, einsätziges Streichquartett als Motto verwendet hat, ist ein Hinweis darauf, was den jungen Webern beschäftigt hat. Webern fand dieses Gedicht in dem zu dieser Zeit viel gelesenen Buch Offenbarungen des Wacholderbaums von Bruno Wille (1901).
Die beglückende Naturerfahrung, die für Webern Zeit seines Lebens wichtige Inspirationsquelle war und die um die vorletzte Jahrhundertwende gerne dem negativ konnotierten modernen Leben gegenübergestellt wurde, ist heute einer wesentlich komplexeren und weniger romantischen Auffassung von Natur und Kunst gewichen.
 

Wachsen dort, wo fast nichts mehr wächst

Kraut und Gras als Titel für ein Unternehmen, der Kunstausübung Fläche, Raum und Räume zu geben, bezieht sich einerseits auf Anton Webern, der in Mittersill seine letzte Ruhestätte gefunden hat, andererseits aber auf das Thema des Wachsens als Metapher für künstlerische Produktion jeglicher Art und jeglichen Genres jenseits der großstädtischen Paradigmen. Die Neusaat als Erschließung dieses visionären Raumes, den die Kunst und damit die Gesellschaft immer dringend braucht. In Abgrenzung zur Mainstream- und Großstadtkultur ist diese Neusaat ein wesentlicher Beitrag zur Befruchtung und zur Weiterentwicklung regionaler Kultur und Struktur insbesondere im Oberpinzgau. Neu gesät werden soll im Rahmen dieser Veranstaltung das Webern.Werk.Mittersill, das an 20 Jahre Kofomi innovativ und den aktuellen Anforderungen und Bedürfnissen angepasst anschließt und die Grundidee, ein lebendiges Denkmal für Anton Webern sein zu wollen, weiterführt.

Teilnehmer_innen

Karl Baumann Tanz (A/USA)
Kathrin Grenzdörffer Musik (D)
Nenad Bogdanovic Performance (SER)
Veronika Mayer Musik (A)
Minguet Quartett (D) Ulrich Isfort, Annette Reisinger, Aroa Sorin, Matthias Diener
Christine Schörkhuber Musik (A)
Andi Stecher Musik (A/D)

Programm

19 Uhr - St. Annakirche

Minguet Quartett
Werke von Gabriel Iranyi, Stefan Lienenkämper, Peter Ruzicka, Anton Webern feat Veronika Mayer und Christine Schörkhuber electronics

19 Uhr - BORG Mittersill

Splitter Performances
Nenad Bogdanovic The Bridges V, Karl Baumann EGO-Box feat Flora Miranda outfit (A/BE), Kathrin Grenzdörffer u. a.

16 Uhr - BORG Mittersill

Workshoppräsentation Geräuschwesen mit Veronika Mayer und Christine Schörkhuber

17 Uhr - BORG Mittersill

Gesprächsrunde mit Volker Kalcher, Roswitha Klaushofer, Peter Seiwald, Christian Vötter, Hannes Wartbichler und den TeilnehmerInnen


19 Uhr - BORG MIttersill

KRAUT UND GRAS, Konzert, Performance, Party, Buffet mit Karl Baumann, Kathrin Grenzdörffer, Nenad Bogdanovic, Andi Stecher u.a.