1945 | 2015
11.-16. September, 2015

zum 70. Todestag des österreichischen Komponisten Anton Webern
(*1883 Wien – †1945 Mittersill)

Der Komponist Anton Webern zählt heute nach wie vor zu den Schlüsselfiguren der Musik des 20. Jahrhunderts. Seine Werke haben seit seinem tragischem Tod in Mittersill nichts an Aktualität und Relevanz verloren.

Um den 15. September bzw. am 15. September 2015 (dem Sterbetag Weberns) planen wir weitere Aktivitäten zum aktiven Gedenken an einen der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, wie es bereits 17 Jahre lang im Rahmen des KomponistInnenforum Mittersill (1996 bis 2013, www.kofomi.com) versucht wurde.

Diese Aktivitäten gliedern sich in 4 Teile:

  1. Choraktion am Grab Weberns am Nachmittag des 15. September 2015
  2. Workshop mit SchülerInnen des BORG Mittersill von 14. bis 16. September 2015
  3. Interdisziplinäres Symposium zum Thema Anton Webern von 11. bis 12. September 2015
  4. Konzert des Koehne-Quartetts (Wien) in der St. Anna-Kirche am 15. September 2015

CHOR Webern, Eisler, Nishikaze, Gahl

  1. Ein speziell für dieses Projekt zusammengestellter „KomponistInnenchor“ wird am Grab Anton Weberns singen.

Das Programm setzt sich wie folgt zusammen:

Anton Webern, Entflieht auf leichten Kähnen für gemischten Chor a capella op. 2

musik_ein morgen : Erinnern an Anton Weberns Konzerte mit dem Arbeitersingverein
(Eine Montage von Annelie Gahl unter Verwendung von Josef Zapf (1847-1902), Lied der Arbeit
Josef Scheu (1841-1904), Sonntagslied und Hanns Eisler, Das Lied von der Solidarität

Makiko Nishikaze, vi-ta, Auftragswerk für gemischten Chor a capella (Uraufführung)

Der Chor soll sich aus TeilnehmerInnen an vergangenen KomponistInnenforen (Kofomi 1-17) und weiteren in Wien lebenden Musikschaffenden zusammensetzen (Einstudierung und Leitung Veronika Humpel)

Die Programmierung der Werke von Hanns Eisler, Josef Scheu und Josef Zapf ist eine Referenz an das Engagement Weberns in den Wiener Arbeiterchören (Arbeitersangesbewegung/Arbeiter Sinfoniekonzerte) mit denen er u. a. auch Werke von Eisler, Zapf und Scheu einstudiert hat und womit eine entsprechende politische Haltung verbunden war. (vgl. dazu Arnold Schönberg, der ebenfalls Arbeiterchöre leitete: „[...] Auch in unserem Leben spielt die Erkenntnis des socialen Kampfes die entscheidende Rolle. [...] genau so wie die Bewegung der socialen Verhältnisse das Product des Kampfes der Klassen ist, muß sich die Ästhetik darstellen als Product des Kampfes der idealistischen mit der materialistischen Weltanschauung [...].“)
Der Realismus Bert Brechts kontrastiert den Symbolismus eines Stefan George (Entflieht auf leichten Kähnen), worin sich der in dieser Zeit ausgetragene Konflikt zwischen Materialismus und Idealismus spiegelt. (Vgl. dazu Hartmut Krones [Hg.], Anton Webern: Persönlichkeit zwischen Kunst und Politik. Wien 1999)

15. 9. 2015 / 16:00 Uhr - BORG Mittersill/Friedhof Mittersill

Entflieht auf leichten Kähnen

Der KoFoMi-Projektchor (TeilnehmerInnen an den KomponistInnenforen Mittersill und Gäste) mit Katja Cruz, Cordula Bösze, Andreas Deppe, Jury Everhartz, Annelie Gahl, Heidelinde Gratzl, Maria Gstättner, Harald Huber, Katharina Klement, Michael Mautner, Veronika Mayer, Hannes Raffaseder, Konrad Rennert, Bernhard Schöberl, Burkhard Stangl, Irene Suchy, Monika Voithofer und Wolfram Wagner. Einstudierung und Leitung Veronika Humpel

WORKSHOP Die Toten schweigen

2) Die japanische, in Berlin lebende Komponistin Makiko Nishikaze wird mit SchülerInnen des BORG Mittersill in einem mehrtägigen Workshop zu einem japanisches Sprichwort als Leitmotiv arbeiten:
"shi-nin ni kuchi nashi" bedeutet so viel wie „Die Toten haben keinen Mund - die Toten schweigen“ bzw. auch „ein stummer Mund ist kein Zeuge“
Dabei wird es der Komponistin um die Vermittlung der musikalischen Parameter Stille, Klang, und das zwischen Stille und Klang dazwischen Liegende gehen und dieses auch in Bezug zum Leben und Schaffen von Anton Webern setzen. Das Thema umkreist schließlich auch die tragischen Umstände des Todes von Anton Webern, der möglicherweise wegen seiner vermeintlichen Zeugenschaft bei einem Schwarzmarkthandel sterben musste. (Vgl. Gert Jonke, Geblendeter Augenblick. Anton Weberns Tod)
Die Präsentation der Ergebnisse des Workshops am 15. September 2015 im BORG und/oder am Friedhof hinter der St. Leonhard-Kirche in Mittersill

SYMPOSIUM Musik und Politik

3) Das vom Mittersiller Musikwissenschaftler Christoph Fuchs initiierte Symposium zum 70. Todestag Weberns wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Innsbruck (Prof. Federico Celestini) aktuelle Fragen zum Leben und Werk Weberns in den Mittelpunkt stellen. Vor allem soll es um den politischen Kontext gehen, in dem das Schaffen und Wirken Weberns jeweils Bedeutung erhält sowie Beziehungen zur Gegenwart hergestellt werden. Das interdisziplinär ausgerichtete Symposium versucht, die Standpunkte von Wissenschaftlern und Webern-Experten mit denen von Musikschaffenden zu konfrontieren und aus diesem so entstehenden Dialog neue Perspektiven vor allem für das gegenwärtige künstlerische Schaffen und Agieren zu entwickeln.

11. und 12. 9. 2015 - Schachernhof Mittersill

Anton Webern im politischen Kontext

Internationales Symposion mit Julia Bungardt (Wien), Regina Busch (Wien), Pietro Cavallotti (Berlin), Federico Celestini (Innsbruck), Christoph Fuchs (Mittersill), Nils Grosch (Salzburg), Tobias Janz (Kiel), Bernhard Lang (Graz), Dominik Schweiger (Wien), Manuel Strauss (Wien), Nikolaus Urbanek (Wien), Monika Voithofer (Graz)

Programm

09:00 – 09:30: Eröffnung: Monika Voithofer (Komponistenforum Mittersill) und Federico Celestini (Innsbruck)
09:30 – 10:30: Nikolaus Urbanek (Wien), Webern, der (Un-)Politische? Eine Zwischenfrage zur musikwissenschaftlichen Kompetenz“
10:30 – 11:00: Kaffeepause
11:00 – 12:00: Julia Bungardt (Wien), Anton Webern und die Universal Edition
12:00 – 13:00: Dominik Schweiger (Wien), Anton Webern und David Josef Bach
13:00 – 15:00: Mittagspause
15:00 – 16:00: Tobias Janz (Kiel), Musik und Politik: Mehrfachcodierung, Resonanz oder Ideologie?
16:00 – 16:30: Kaffeepause
16:30 – 17:30: 5. Nils Grosch (Salzburg), Fré Focke, Anton Webern und die Neue Musik im lateinamerikanischen Exil

09:30 – 10:30: Bernhard Lang (Graz/Wien), Webern Wiederholen: Monadologie XI und die Sinfonie op. 21 im Kontext der Playbackkultur
10:30 – 11:30: Pietro Cavallotti (Berlin), Das Ringen um den wahren Webern. Machtpolitische Aspekte der Webern-Rezeption
11:30 – 12:00: Kaffeepause
12:00 – 13:00: Schlussdiskussion